




"In ein freundliches Städtchen tret ich ein,
in den Straßen liegt roter Abendschein.
Aus einem offnen Fenster eben, über den reichsten Blumenflor hinweg,
hört man Goldglockentöne schweben..."
(Eduard Mörike über Neuenstadt)

Neuenstadt verdankt seinen Namen der Verlegung der Muttersiedlung Helmbund (erwähnt 797) von der Brettach-Aue hinauf auf den 1 km entfernten Höhenrücken im Mündungsdreieck von Kocher und Brettach.
Vermutlich seit Beginn des 14. Jahrhunderts stand hier das neue, befestigte Amtsstädtchen, zunächst unter Weinsberger und Pfälzer, seit 1504 unter württembergischer Herrschaft.
Vor dem Oberen Torturm stand bis April 1945 die sagenumwobene tausendjährige Linde, die der Stadt ihren Beinamen "an der Linde" gab. Letzte Kämpfe am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten jedoch dann leider nicht nur dieses Wahrzeichen, sondern auch 80% der Innenstadt. Das Blätterdach nachgezogener Linden blieb erhalten. Es wird von kunstvollen Steinsäulen gestützt, die seit dem Mittelalter von Adligen und reichen Bürgern gestiftet wurden.
Im einem heute nur noch teilweise in ursprünglicher Form erhaltenen Renaissanceschloss residierte im 17. und 18. Jahrhundert eine Nebenlinie des württembergischen Herzogshauses und verlieh mit ihrer Hofhaltung der Stadt einen gewissen Glanz. Davon zeugt die herzogliche Grablege mit reich bemalten Zinnsärgen in der Gruft der Stadtkirche.
Die Mörike-Apotheke, ein stattliches Fachwerkgebäude (umgebaut 1801), erinnert an die Familie Mörike, die Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Havelland nach Neuenstadt zuwanderte und bis 1865 im Besitz der Apotheke war. Der Dichter Eduard Mörike war hier zuweilen Gast, als er im nahen Cleversulzbach Pfarrer war.
Sein reicher Apothekervetter vermachte sein Landhaus (1830) neben der Lindenanlage einer Stiftung zugunsten allein stehender älterer Frauen, Kern des heutigen Altenzentrums.

Im Museum im Schafstall, eines der Gebäude des alten herrschaftlichen Schafhofes, sind unter anderem Exponate zur Herzogsfamilie Württemberg-Neuenstadt und zur Familie Mörike sowie historische Karten und Ansichten Neuenstadts ausgestellt.

Zu den geschichtlichen Zeugen gehören auch die Ruine der gotischen Helmbundkirche, das letzte Überbleibsel der Muttersiedlung, das reizvolle "Franzosenbrückle" über die Brettach, der Schöntaler Pfleghof (1488), heute evangelisches Dekanatsamt und ein restaurierter Teil der Stadtmauer mit Wehrgang.
Der Wiederaufbau nach 1945, die Erschließung neuer Wohngebiete, die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe, der Anschluss an die A 81 (1973) sowie die Schul- und Gemeindereform Anfang der 70er Jahre haben das Gesicht der Stadt stark verändert. Der besondere Reiz einer geschichtsträchtigen Kleinstadt in landschaftlich schöner Umgebung blieb ihr jedoch erhalten.