




Die Neue Stadt Helmbund, heute Neuenstadt genannt, hatte einen Vorläufer, eben (die alte Stadt) Helmbund. Von diesem "Helmbund", erstmals erwähnt 797 n. Chr., gibt es nur noch einen Zeitzeugen, den Chor der Kirche im Tal der Brettach.
Warum dieser Ort aufgegeben und um etwa 1300 n. Chr. eine neue Stadt auf dem Sporn zwischen Brettach und Kocher unmittelbar neben einer uralten germanischen Gerichtsstätte gegründet wurde, ist nicht bekannt.

Die Tausendjährige Linde auf dieser seit 1448 öffentlichen Gerichtsstätte steht heute nicht mehr. Sie fiel 1945 durch einen Gewittersturm, nachdem ihre Haltetaue durch feindlichen Beschuss der Stadt in den letzten Kriegstagen zerstört wurden. An ihrer Stelle wächst eine neue Linde heran.
Bis heute erhalten hat sich das von Steinsäulen gestützte Blätterdach der Lindenanlage. Die Stadt nannte sich nach diesem bemerkenswerten Naturdenkmal lange Zeit "Neuenstadt an der Linde".

Von 1649 bis 1781 war Neuenstadt Residenz einer Nebenlinie des württembergischen Herzoghauses. Neuenstadt hatte Glück mit seinen Herzögen. Sie waren gebildet, und die Hofhaltung belebte die örtliche Wirtschaft. Im Gefolge der ersten Herzogin Augusta von Braunschweig-Wolfenbüttel kam die Familie Mörike aus dem brandenburgischen Havelberg nach Süddeutschland. Sie wurde heimisch und betrieb fast zwei Jahrhunderte die hiesige Apotheke.
Dem Ludwigsburger Zweig der Familie entstammt der Dichter Eduard Mörike (1804 bis 1875). In seinem Gedicht
"In ein freundliches Städtchen tret’ ich ein", hat er Neuenstadt verewigt. An die Herzogsfamilie erinnern das Schloss und die prächtigen Särge in der Gruft der Stadtkirche.

In den weiten Wiesen und Ackerflächen jenseits des Kochers auf der Markung Bürg schlummert eine kleine archäologische Sensation. Vermutet hat man sie schon lange, die Römerstadt im Hinterland des Limes von Walldürn im Odenwald bis Mainhardt und Welzheim, aber wiederentdeckt hat man sie erst im Jahr 2003. Derzeit laufen erste Ausgrabungen.
Nach der Luftbildprospektion erstreckt sich die ehemalige römische Siedlung über 20 bis 30 ha (!). Ein Münzfund datiert sie um 180 n. Chr., ungefähr in die Zeit, als in Rom Kaiser Marcus Aurelius herrschte. Noch ist sie namenlos, diese Stadt mit ihrem - soviel weiß man schon - kleinen Hafen für Lastkähne am Kocherstrand. Aber vielleicht geben schon bald die fortschreitenden Ausgrabungen ihren Namen preis…

Ein kleines, unscheinbares Dorf, und doch ein weltbekannter literarischer Ort. Heute nicht viel größer als damals, als Mörike von 1834 bis 1843 dort seine erste und einzige Pfarrstelle hatte. Ein Ort, so recht geeignet, diesem Dichter etwas nachzuspüren, - im Museum, in der Kirche, den wenigen Gassen des Ortes, auf seinem Spaziergang zum "Lieblingshügel" und weiter auf dem Mörikepfad in die umgebende Natur.
Hier auf schmalem Pfad, erschließt sich die Eigenart dieses Menschen vielleicht eher als anderswo.
Hier fällt der Blick immer wieder auf den Kirchturm, dessen alten Hahn Mörike in seinem Gedicht "Der Alte Turmhahn" "stolzieren", "prachtieren" und klagen lässt: "Zu Cleversulzbach im Unterland, Hundertunddreizehn Jahr’ ich stand… .

Neuenstadt a.K. (9.500 Einwohner) ist mit seinen vier Stadtteilen Bürg, Cleversulzbach, Kochertürn und Stein a.K. Mittelpunkt des unteren Kocher- und Brettachtals. Waren es in früheren Zeiten die alten Handelswege "Römerstraße", "Hohe Straße" und die "Nibelungenstraße", die sich bei der Stadt kreuzten, so sind es heute die Autobahn A 81 Stuttgart/Würzburg und die A 6 Mannheim/Nürnberg, die wirtschaftliche Impulse geben.
Ansiedlungen von Gewerbe und Industrie ermöglichen es, Arbeitsplätze zu schaffen und bewirken ein stetiges Wachstum der Einwohnerzahl. Eine sehr gute Infrastruktur, die intakte, waldreiche Landschaft des Kocher- und Brettachtals und die Nähe zum Ballungsraum Heilbronn/Neckarsulm machen Neuenstadt nicht nur als Wohnort attraktiv, sondern versprechen auch dem Besucher und Touristen Genuss. Inmitten neuer Wohngebiete wird er ein altes, unverwechselbares, württembergisches Landstädtchen finden, dessen Geschichte und dessen Sehenswürdigkeiten es mit Lust zu entdecken gilt.

Die Freilichtspiele Neuenstadt spielen seit 1958 Theater im Schlossgraben des Neuenstädter Renaissanceschlosses. Bis zu 20.000 Zuschauer besuchen jährlich an sieben Wochenenden im Juni und Juli die Aufführungen und haben die Bühne weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt gemacht.
Die Zuschauerränge sind größtenteils überdacht und mit Schalensitzen ausgestattet. Vom schwäbischen Volksstück bis zum Klassiker reicht die Bandbreite der gespielten Stücke. Aufwendige Bühnenbilder, das besondere Ambiente des Schlossgrabens und das engagierte Spiel der Laiendarsteller garantieren einen unterhaltsamen Theaterabend.
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