



Eduard Mörike (1804 bis 1875) sollte nach dem Willen der Familie Pfarrer werden. Damit war der streng geregelte Ausbildungsweg vorgegeben. Nach der Schule und dem Besuch eines der "Niederen theologischen Seminare" (von 1818 bis 1822 in Urach) folgte das Studium der evangelischen Theologie im "Höheren theologischen Seminar", dem Tübinger Stift (bis 1826). Das Pfarrexamen legte Mörike nur mit mäßigem Erfolg ab - für ihn zählten die poetische Begabung, die Freundschaftsbeziehungen, die Möglichkeit zum geistigen Austausch und zu geistiger Anregung während der Studienzeit deutlich mehr.
In der sich anschließenden langen Vikarzeit, wohl auch auf Grund seiner bescheidenen Prüfungsergebnisse, seiner poetischen Neigung und seiner angegriffenen Gesundheit, versah Mörike insgesamt elf Stellen, bevor er am 26. April 1834 um die zwar mäßig dotierte, aber von Umgebung und Klima ihm entsprechende Pfarrei Cleversulzbach bat. Die "wirkliche Ernennung" erfolgte durch königliches Dekret am 20. Mai und im Juli zog er mit seiner Mutter und seiner 18jährigen Schwester Klara ins Pfarrhaus ein. Von "seinem" Cleversulzbach schwärmt Mörike im Brief vom 9. September 1837 an den engen Freund Wilhem Hartlaub und stellt eine frühe Fassung des Gedichts "Septembermorgen" voran:
Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In braunem Golde fließen.
(1828)