Geschichtliches

Kurzporträt

Die Neue Stadt Helmbund, heute Neuenstadt genannt, hatte einen Vorläufer, eben (die alte Stadt) Helmbund. Von diesem "Helmbund", erstmals erwähnt 797 n. Chr., gibt es nur noch einen Zeitzeugen, den Chor der Kirche im Tal der Brettach. Warum dieser Ort aufgegeben und um etwa 1300 n. Chr. eine neue Stadt auf dem Sporn zwischen Brettach und Kocher unmittelbar neben einer uralten germanischen Gerichtsstätte gegründet wurde, ist nicht bekannt. Neuenstadt verdankt seinen Namen der Verlegung der Muttersiedlung Helmbund (erwähnt 797) von der Brettach-Aue hinauf auf den 1 km entfernten Höhenrücken im Mündungsdreieck von Kocher und Brettach.Vermutlich seit Beginn des 14. Jahrhunderts stand hier das neue, befestigte Amtsstädtchen, zunächst unter Weinsberger und Pfälzer, seit 1504 unter württembergischer Herrschaft.

Lindenplatz 1908
Lindenplatz 1908
Lindenplatz 1956 oder davor
Lindenplatz 1956 oder davor

Neuenstadt heute

Der Wiederaufbau nach 1945, die Erschließung neuer Wohngebiete, die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe, der Anschluss an die A 81 (1973) sowie die Schul- und Gemeindereform Anfang der 70er Jahre haben das Gesicht der Stadt stark verändert. Der besondere Reiz einer geschichtsträchtigen Kleinstadt in landschaftlich schöner Umgebung blieb ihr jedoch erhalten. Neuenstadt a. K. (10.000 Einwohner) ist mit seinen vier Stadtteilen Bürg, Cleversulzbach, Kochertürn und Stein a. K. Mittelpunkt des unteren Kocher- und Brettachtals. Waren es in früheren Zeiten die alten Handelswege "Römerstraße", "Hohe Straße" und die "Nibelungenstraße", die sich bei der Stadt kreuzten, so sind es heute die Autobahn A 81 Stuttgart/Würzburg und die A 6 Mannheim/Nürnberg, die wirtschaftliche Impulse geben.

Stadtansicht
Stadtansicht
See
See

Ansiedlungen von Gewerbe und Industrie ermöglichen es, Arbeitsplätze zu schaffen und bewirken ein stetiges Wachstum der Einwohnerzahl. Eine sehr gute Infrastruktur, die intakte, waldreiche Landschaft des Kocher- und Brettachtals und die Nähe zum Ballungsraum Heilbronn/Neckarsulm machen Neuenstadt nicht nur als Wohnort attraktiv, sondern versprechen auch dem Besucher und Touristen Genuss. Inmitten neuer Wohngebiete wird er ein altes, unverwechselbares, württembergisches Landstädtchen finden, dessen Geschichte und dessen Sehenswürdigkeiten es mit Lust zu entdecken gilt.

Eduard Mörike über Neuenstadt

"In ein freundliches Städtchen tret ich ein, in den Straßen liegt roter Abendschein.Aus einem offnen Fenster eben, über den reichsten Blumenflor hinweg,hört man Goldglockentöne schweben..."

Tausendjährige Linde

Lindenring Einweihung 1963
Lindenring Einweihung 1963

Vor dem Oberen Torturm stand bis April 1945 die sagenumwobene tausendjährige Linde, die der Stadt ihren Beinamen "an der Linde" gab. Letzte Kämpfe am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten jedoch dann leider nicht nur dieses Wahrzeichen, sondern auch 80% der Innenstadt. Das Blätterdach nachgezogener Linden blieb erhalten. Es wird von kunstvollen Steinsäulen gestützt, die seit dem Mittelalter von Adligen und reichen Bürgern gestiftet wurden. 

Die Tausendjährige Linde auf dieser seit 1448 öffentlichen Gerichtsstätte steht heute nicht mehr. Sie fiel 1945 durch einen Gewittersturm, nachdem ihre Haltetaue durch feindlichen Beschuss der Stadt in den letzten Kriegstagen zerstört wurden. An ihrer Stelle wächst eine neue Linde heran. Bis heute erhalten hat sich das von Steinsäulen gestützte Blätterdach der Lindenanlage. Die Stadt nannte sich nach diesem bemerkenswerten Naturdenkmal lange Zeit "Neuenstadt an der Linde".

Herzogliches Neuenstadt

Schloss 1960
Schloss 1960

Im einem heute nur noch teilweise in ursprünglicher Form erhaltenen Renaissanceschloss residierte im 17. und 18. Jahrhundert eine Nebenlinie des württembergischen Herzogshauses und verlieh mit ihrer Hofhaltung der Stadt einen gewissen Glanz.

Neuenstadt hatte Glück mit seinen Herzögen. Sie waren gebildet, und die Hofhaltung belebte die örtliche Wirtschaft. Im Gefolge der ersten Herzogin Augusta von Braunschweig-Wolfenbüttel kam die Familie Mörike aus dem brandenburgischen Havelberg nach Süddeutschland. Sie wurde heimisch und betrieb fast zwei Jahrhunderte die hiesige Apotheke. Dem Ludwigsburger Zweig der Familie entstammt der Dichter Eduard Mörike (1804 bis 1875). In seinem Gedicht  "In ein freundliches Städtchen tret’ ich ein", hat er Neuenstadt verewigt. An die Herzogsfamilie erinnern das Schloss und die prächtigen Särge in der Gruft der Stadtkirche.

Die Mörike-Apotheke

Mörike Apotheke 2002
Mörike Apotheke 2002

Die Mörike-Apotheke, ein stattliches Fachwerkgebäude (umgebaut 1801), erinnert an die Familie Mörike, die Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Havelland nach Neuenstadt zuwanderte und bis 1865 im Besitz der Apotheke war.

Der Dichter Eduard Mörike war hier zuweilen Gast, als er im nahen Cleversulzbach Pfarrer war. Sein reicher Apothekervetter vermachte sein Landhaus (1830) neben der Lindenanlage einer Stiftung zugunsten allein stehender älterer Frauen, Kern des heutigen Altenzentrums.

Versunkene "Römerstadt“

Römerstadt Ausgrabungen 2008
Römerstadt Ausgrabungen 2008

In den weiten Wiesen und Ackerflächen jenseits des Kochers auf der Markung Bürg schlummert eine kleine archäologische Sensation. Vermutet hat man sie schon lange, die Römerstadt im Hinterland des Limes von Walldürn im Odenwald bis Mainhardt und Welzheim, aber wiederentdeckt hat man sie erst im Jahr 2003.

Nach der Luftbildprospektion erstreckt sich die ehemalige römische Siedlung über 20 bis 30 ha. Ein Münzfund datiert sie um 180 n. Chr., ungefähr in die Zeit, als in Rom Kaiser Marcus Aurelius herrschte. Noch ist sie namenlos, diese Stadt mit ihrem - soviel weiß man schon - kleinen Hafen für Lastkähne am Kocherstrand. Aber vielleicht geben schon bald die fortschreitenden Ausgrabungen ihren Namen preis…

Mörikedorf Cleversulzbach

Cleversulzbach
Cleversulzbach

Ein kleines, unscheinbares Dorf, und doch ein weltbekannter literarischer Ort. Heute nicht viel größer als damals, als Mörike von 1834 bis 1843 dort seine erste und einzige Pfarrstelle hatte. Ein Ort, so recht geeignet, diesem Dichter etwas nachzuspüren, - im Museum, in der Kirche, den wenigen Gassen des Ortes, auf seinem Spaziergang zum "Lieblingshügel" und weiter auf dem Mörikepfad in die umgebende Natur.

Hier auf schmalem Pfad, erschließt sich die Eigenart dieses Menschen vielleicht eher als anderswo. Hier fällt der Blick immer wieder auf den Kirchturm, dessen alten Hahn Mörike in seinem Gedicht  "Der Alte Turmhahn" "stolzieren", "prachtieren" und klagen lässt: "Zu Cleversulzbach im Unterland, Hundertunddreizehn Jahr’ ich stand… .

Museum im Schafstall

Museum im Schafstall 2005
Museum im Schafstall 2005

Im Museum im Schafstall, eines der Gebäude des alten herrschaftlichen Schafhofes, sind unter anderem Exponate zur Herzogsfamilie Württemberg-Neuenstadt und zur Familie Mörike sowie historische Karten und Ansichten Neuenstadts ausgestellt.

Zu den geschichtlichen Zeugen gehören auch die Ruine der gotischen Helmbundkirche, das letzte Überbleibsel der Muttersiedlung, das reizvolle "Franzosenbrückle" über die Brettach, der Schöntaler Pfleghof (1488), heute evangelisches Dekanatsamt und ein restaurierter Teil der Stadtmauer mit Wehrgang.

Freilichtspiele Neuenstadt

Theater im Schlossgarten
Theater im Schlossgarten

Die Freilichtspiele Neuenstadt spielen seit 1958 Theater im Schlossgraben des Neuenstädter Renaissanceschlosses. Bis zu 20.000 Zuschauer besuchen jährlich an sieben Wochenenden im Juni und Juli die Aufführungen und haben die Bühne weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt gemacht.

Die Zuschauerränge sind größtenteils überdacht und mit Schalensitzen ausgestattet. Vom schwäbischen Volksstück bis zum Klassiker reicht die Bandbreite der gespielten Stücke. Aufwendige Bühnenbilder, das besondere Ambiente des Schlossgrabens und das engagierte Spiel der Laiendarsteller garantieren einen unterhaltsamen Theaterabend. 

Info im Vorverkaufsbüro unter Tel.: +49 (0) 7139-7187