Stadt Aktuell: Stadt Neuenstadt am Kocher

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Erhalt des Neuenstadter Schlosses

Artikel vom 29.07.2020

Das Neuenstadter Schloss – eine bewegte Geschichte
Das einstmals herzoglich-württembergische Schloss in Neuenstadt bestand ursprünglich aus sechs Gebäudebereichen. Vier davon sind heute noch erhalten und im Eigentum des Landes Baden-Württemberg: Der Prinzessinnenbau (Lindenbau) und der Lange Bau, die beide nach wie vor bewohnt sind, der Türnitzbau samt Anbauten zur Nordseite sowie das Forstamt.
Besonders Türnitzbau und Forstamt wurden im Laufe der Jahrhunderte vielseitig genutzt: Kellereiverwaltung, Kaserne, Pferdestall, Post- und Telegraphenamt, Katholische Kirche, Forstverwaltung, Wohnungen für Notar und sogenannte „Spätaussiedler“, Finanzamt, Musikschule und Polizeiposten.

Unsere Pläne zur Erhaltung
1945 wurden nahezu 80 % der Neuenstadter Innenstadt zerstört. Daher ist es auch dem Gemeinderat besonders wichtig, die verbliebene historische Bausubstanz im Herzen unserer Stadt für kommende Generationen zu erhalten. Vor allem Türnitzbau und Forstamt sollen wieder in einen repräsentablen, verkehrssicheren Zustand versetzt werden.
Die Stadt hatte geplant, die beiden Gebäude zu kaufen, zu sanieren und künftig als Rathaus zu nutzen. Der Kaufvertrag mit dem Land wurde verhandelt und die Gesamtkosten, inklusive Sanierung, wurden mit 13 Mio. Euro beziffert. Die Finanzierung stand: 6 Mio. Euro hatte die Stadt angespart, 7 Mio. Euro hat das Land als Zuschuss zugesagt.

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet…“
Wenn man Gebäude kaufen möchte, die mehrere hundert Jahre alt sind, muss man schon sehr genau hinschauen. Um nicht die sprichwörtliche „Katze im Sack“ zu kaufen, finden seit 2014 im Türnitzbau und im Forstamt umfangreiche bauhistorische Forschungen statt.
Deren Ergebnisse dienen dem eingesetzten Fachgremium aus Bauhistorikern, Architekten, Statikern, Brandschutz-gutachtern, Bauphysikern, Fachplanern für Elektroplanung, Fachplanern für Heizung, Sanitär, Lüftung, Projektsteuerer und Gebäudemanagement als Arbeitsgrundlage. Regelmäßig wurden die gewonnenen Erkenntnisse besprochen, mit dem Amt für Denkmalschutz diskutiert und nach Lösungen für eine zeitgemäße Nutzung gesucht.
Dabei hat sich gezeigt, dass die Sanierung deutlich teurer werden würde als geplant. Die kalkulierten Gesamtkosten liegen inzwischen bei 23 Mio. Euro. Davon fallen allein 6 Mio. Euro auf Maßnahmen, um das Gebäude dauerhaft zu sichern (Statik).

Das liebe Geld
Die Stadt Neuenstadt kann die Finanzierung dieser neuen Summe nicht alleine stemmen, auch vor dem Hintergrund des neuen Haushaltsrechts (Erwirtschaftung der Abschreibungen) und der geringeren Einnahmen aufgrund der Corona-Pandemie in den nächsten Jahren. Ein weiterer Förderantrag für ein Bundesförderprogramm über 15 Mio. Euro wurde nun im Juli 2020 leider abgelehnt. Eine zusätzliche finanzielle Unterstützung von Seiten des Landes oder des Bundes ist nach deren Aussagen nicht möglich.
Um es kurz zu machen: Das Geld reicht nicht aus, um dieses ganz besondere Projekt langfristig zu finanzieren. Wenn man den „Sparstrumpf“ der Stadt leert, wäre es zwar möglich. Aber dann müssten viele wichtige Aufgaben (Neubau Feuerwehrhaus/Bauhof, Sanierung der KTE Lange-Wiesen-Weg und der Turn- und Festhalle Stein, Schulhaussanierungen und -erweiterungen) gestreckt oder sogar gestrichen werden.

„Hinfallen – Aufstehen – Weitermachen.“
Das bedeutet, dass die Stadt Neuenstadt den Türnitzbau und das Forstamt nicht kaufen und zum neuen Rathaus umbauen wird. Verständlicherweise sind nun vor allem diejenigen, die sich seit Jahren mit diesem Projekt beschäftigt haben, sehr enttäuscht. Diejenigen, die viel Zeit und Leidenschaft in die Planungen gesteckt haben und bei jedem kleinen und großen Problem engagiert nach einer machbaren Lösung gesucht haben. Ihnen gebührt ein ganz großes Dankeschön für ihre bisherigen Leistungen.
Da ein Umzug der Stadtverwaltung in das Neuenstadter Schloss nicht umzusetzen ist, wird nun geprüft, ob und wie das bestehende Rathaus saniert und erweitert werden kann.
Bedeutet das nun, dass Türnitzbau und Forstamt dem Verfall preisgegeben werden? Nein.
Der Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg wird die Sanierung der eigenen Gebäude übernehmen. Es gibt bereits eine Arbeitsgruppe des Landes mit der Stadtverwaltung Neuenstadt, in der gemeinsam eine sinnvolle Nutzung der Gebäude sichergestellt werden soll. Denkbar wäre unter anderem eine Vermietung der Räume an Musikschule, Volkshochschule, Vereine und an verschiedene landeseigene Behörden. Auch ein städtisches Trauzimmer in den herzoglichen Räumen mit Parkettfußboden und Stuckdecke wäre nach wie vor möglich.
Was auch immer die Zukunft bringt - wir wünschen uns vor allem, dass die historischen Gebäude des Neuenstadter Schlosses erhalten bleiben und dass sie wieder mit Leben gefüllt werden. Dafür werden wir uns weiterhin mit aller Kraft einsetzen.

Herzlichst, Ihr
Norbert Heuser
Bürgermeister

Eine gemeinsame Pressemitteilung des Landesbetriebes Vermögen und Bau und der Stadtverwaltung Neuenstadt am Kocher können Sie hier herunterladen: Zum Download.

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